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Borota & KnebelZum vierhändigen Klavierspiel

Musikduette werden leicht Herzensduette und die Unterhaltung und Sprache der verwandten Seelen; dann haben sie den schönsten Wert. Das vierhändige Klavierspiel bleibt doch der schönste erste Genuss.
                                 (Robert Schumann, Tagebucheintrag vom 17. August 1828)

„ … Fast schüchtern regte sich die Frage, ob wir nicht ein wenig Musik machen sollten? Es lag ein Paket Novitäten auf meinem Klavier… Nicht ohne freudige Bewegung gingen wir an die kleinen Vorbereitungen; der eine öffnete das Paket, der andere das Piano. Es verstand sich von selbst, dass mit vierhändigem Spiel der Anfang gemacht werde. Ist es doch die intimste, die bequemste und in ihrer Begrenzung vollständigste Form häuslichen Musizierens. Sie ist jünger als unsere Generation wähnt, und verdankt der rapiden Verbreitung des Klavierspiels, der Erweiterung und Vervollkommnung des Pianofortes ihren Aufschwung.
Das Streichquartett, Trio oder Quintett, das sonst in keinem gut musikalischen Haus fehlte, ist dadurch verdrängt; ein Verlust ohne Zweifel, doch kein Nachteil für die bestmögliche Kenntnis der Orchesterliteratur auf der eigenen Stube. Wenn man die Musikalienkataloge aus Haydn’s und Mozart’s Zeit bis über die Mitte von Beethoven’s Wirksamkeit durchblättert, so begegnet man kaum einem vierhändigen Arrangement auf Dutzende von Bearbeitungen für drei, vier und fünf verschiedene Instrumente…. Heutzutage bringen unsere Konzerte keine Ouvertüre, keine Sinfonie, die man nicht sofort im vierhändigen Arrangement verkosten oder nachgenießen kann. Eine Quelle von Vergnügungen und Belehrung fließt den Musikfreunden aus diesem bescheidenen Gebiete zu.
„Wer ist Ihr Vierhändiger?“ fragte mich einst ein passionierter Dilettant. Seine kühne Wortbildung, so ganz die Persönlichkeit negierend und bloß die musikalische Nützlichkeit betonend, schien mir so übel nicht. Ein rechter „Vierhändiger“ ist ein Inbegriff von soliden Eigenschaften, er steigt im Werte, je weniger er zweihändige Prätensionen macht. Nicht jedermann kann eine Frau, eine Geliebte, einen Herzens- und Geistesfreund sein nennen, aber einen „Vierhändigen“ sollte jeder Sterbliche besitzen, gleichsam als engagierten Tänzer für die musikalische Lebenszeit…“
                           (Eduard Hanslick, aus: „Waffenruhe am Klavier“, Wien im August 1866 aus Anlass seiner Rezension
                                                         der ihm gewidmeten vierhändigen Walzer op. 39 seines Freundes Johannes Brahms)

Wenn wir Mozart als Vater des vierhändigen Klavierspiels bezeichnen wollen - er hat die ersten ernst zu nehmenden vierhändigen Klavierwerke geschrieben - so muss doch das 19. Jahrhundert als Jahrhundert des Klaviers bezeichnet werden. Der Klavierbau machte erhebliche Fortschritte und hatte direkten Einfluss auf das vierhändige Klavierspiel. Die Tastatur wurde breiter, die Skala über 7 Oktaven ausgebaut, der Resonanzkörper größer, der Ton kräftiger. Das Instrument mauserte sich zum beliebtesten des damaligen aufstrebenden Bürgertums. Kein Orchesterwerk, kein komplexes Kammermusikwerk, das nicht im Handumdrehen in einer vierhändigen Version zur Verfügung stand. Keine Oper, die nicht im vierhändigen Arrangement durch die Salons klang. Konzerte und Bühnenwerke waren noch nicht im heutigen Umfang für jedermann verfügbar. Eine vierhändige Partitur und ein Partner, der Klavierspielen konnte, jedoch sehr wohl. Und damals gehörte Klavierspielen zum guten Ton. Das vierhändige Klavierspiel wurde erst im 20. Jahrhundert durch die Schallplatte ersetzt. Jedoch: Arrangements waren nur ein Aspekt des vierhändigen Klavierspiels. Namhafte Komponisten wie Franz Schubert, Robert Schumann, Johannes Brahms oder Antonín Dvořák, aber auch unbekanntere Meister wie Carl Reinecke, Adolf Jensen oder Hermann Goetz schrieben großartige und vollkommen eigenständige Werke dieses Genres. Im 20. Jahrhundert wurde das Klavierduo z.B. von Igor Strawinsky, den Vertretern der Pariser „Groupe des Six“, Paul Hindemith bis hin zu Wolfgang Rihm bedacht.
Möge diese Kunstform auch in Zukunft große Geister zum Komponieren inspirieren und einem breiten Publikum in aktiver und passiver Form als Inspiration oder gute Unterhaltung erhalten bleiben.
                                                                                                                              (Christian Knebel, Pforzheim im August 2013)